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ESC 2019 – Wer fährt für uns nach Tel Aviv?

Die Uhr tickt, am 22. Februar wird es ernst: Dann steht der deutsche ESC-Vorentscheid an.

Photo by Jlechuga86, derivative:JoseDLG (Author), Commons:Non-copyright restrictions (Licence)

Sieben Kandidaten sind es, die in den Startlöchern stehen. Als Moderatorinnen treten Barbara Schöneberger und Lina Zervakis an, sie führen durch den buntgemischten Abend des ESC-Vorentscheids. „Unser Lied für Israel“ heißt die Sendung, auf die alle gemeinsam aktuell hinarbeiten, und die Musikfans in ganz Deutschland in ihren Bann ziehen soll. Obwohl der Eurovision Song Contest in den letzten Jahrzehnten durchaus den einen oder anderen Hänger verzeichnete, steht er im Moment wieder recht hoch im Kurs. Entsprechend groß fällt das öffentliche Interesse aus.

Deutschland als Underdog

Die Konkurrenz ist groß und Deutschland hatte es bekanntlich in der Vergangenheit nicht sehr einfach, sich mit seinen Künstlern im talentierten europäischen Ausland zu behaupten. Dennoch zeigen Lenas grandioser Erfolg aus 2010 und der vierte Platz von Michael Schulte 2018 in Lissabon, dass Deutschland grundsätzlich das Zeug dazu hat, ganz Europa zu begeistern. Die Wettbüros lassen bereits erste Wetten zu, wer dieses Jahr den Wettbewerb für sich entscheidet. In einer ersten Übersicht der Vergleichsplattform Oddschecker befinden sich momentan unter anderem Russland und Schweden weit vorn im Rennen, Deutschland ist nicht mal als Top10-Favorit gelistet. Es bleibt daher umso spannender, herauszufinden, wen wir für den ESC nominieren werden – und ob es dieses Jahr allen Unkenrufen zum Trotz wieder heißt: „Germany, 12 points!“

Zum Vorentscheid treten sieben sehr individuelle, junge Künstler an, die ihren persönlichen Stil auf die Bühne bringen. Es winkt also alles andere als ein musikalischer Einheitsbrei, sondern eher lustvolle kreative Vielfalt. Michael Schultes Ohrwurm „You Let Me Walk Alone“ könnte also das eine oder andere Pendant erhalten – die Motivation unter den Teilnehmern ist groß, seinen Erfolg noch zu übertreffen oder zumindest die ESC-TopTen zu erreichen. Ein genauer Blick auf die Kandidaten macht neugierig und facht die Spannung an.

Photo by Fanclub Michael Schulte (Author), CC BY-SA 3.0 (Licence)

Aly Ryan: „Wear Your Love“

Zuerst wäre da die 21-jährige Aly Ryan zu nennen, die zwar seit 5 Jahren in Los Angeles lebt, aber trotzdem die Verbindung zu ihrer alten Heimat nicht verloren hat. Eine gewisse Berühmtheit erlangte Ryan über die Musikplattform Soundcloud, wo sie einige ihrer Lieder veröffentlichte. Als ihren Song für den ESC hat sie „Wear Your Love“ ausgewählt. Die junge Sängerin meint, ihre Musik passe hervorragend zum European Song Contest, darum rechnet sie sich gute Chancen aus. Der Vorentscheid wird es zeigen.

BB Thomaz: „Demons“

Die 34-jährige BB Thomaz hat den Weg über den großen Teich in die andere Richtung genommen. Sie kam als Béatrice Thomas in New York auf die Welt und siedelte sich zehn Jahre später in Deutschland an. Zeitgleich zu ihrer Karriere als Musical-Darstellerin und Sängerin nahm sie ein Studium in München auf, gab sich der Schauspielerei hin und modelte hier und da. Ihren Song „Demons“ bezeichnet sie als „emotionales Feuerwerk“. Lassen wir uns überraschen!

Linus Bruhn: „Our City“

Hier haben wir einen weiteren blutjungen Durchstarter vor uns. Mit seinen gerade mal 20 Jahren blickt Linus Bruhn bereits auf einige interessante Meilensteine des Erfolgs zurück. Er betätigte sich schon früh als Musicaldarsteller und trat 2015 bei „The Voice of Germany“ an. Auf Instagram folgen ihm über 230.00 Fans aus allen Ecken der Welt – bald werden es wahrscheinlich noch mehr sein. Der junge Mann drückt sich selbst über seine Musik aus, in sein ESC-Lied „Our City“ packte er so viel Power wie möglich. Mal sehen, ob es reicht.

Gregor Hägele: „Let Me Go“

Wenden wir uns nun dem jüngsten Kandidaten des Abends zu: Gregor Hägele unterbietet die 20 Jahre des Linus Bruhn noch um weitere 2 Jahre. Er ist erst 18 Jahre alt, zeigt aber jede Menge Enthusiasmus. Gregor hat sich schon früh dafür entschieden, sein ganzes Leben mit Musik zu füllen. Er erzeugt vor allem gerne eine „Wohnzimmeratmosphäre auf der Bühne“, in der man sich richtig wohlfühlen kann. Mit „Let Me Go“ will er kein großes Spektakel erzeugen, sondern die Menschen im Herzen erreichen. Wir werden sehen, ob das gelingt.

S!sters: „Sister“

Die beiden Sängerinnen Carlotta und Laurita sind keine Blutsverwandte, aber sie teilen sich eine musikalische Seele. Die jungen Damen genießen bereits einige Erfahrung auf der großen Musikbühne, sind schon mit anderen Sängern gemeinsam aufgetreten. Carlotta nennt ihre gemeinsame Stilrichtung „Pop auf eine sehr echte und powervolle Art“. Ihr Song „Sister“ soll also alle Zuhörer von den Füßen reißen. Diesen Effekt werden wir zum Vorentscheid genau beobachten.

Lilly Among Clouds: „Surprise“

Unter diesem etwas romantisierendem Namen tritt die 28-jährige Elisabeth Brüchner an, die schon immer gern Lieder schrieb, aber früher nie wirklich selbst auf die Bühne wollte. Nach ihren ersten Auftritten war die Leidenschaft jedoch entfacht und sie verliebte sich in die Show und all die Aufregung, sodass sie nun zum Vorentscheid für den ESC antritt. Am liebsten begibt sich die bescheidene Künstlerin in Jeans und Shirt vors Publikum, vielleicht wird sie auch ihren Song „Surprise“ in dieser schlichten Ausstattung vortragen. Ob sie so die Herzen erreicht, bleibt abzuwarten.

Makeda: „The Day I Loved You Most“

Gefühlvoller Soul hat es ihr angetan, der 28-jährigen Bonnerin, deren Vorfahren aus Trinidad stammen. Auf ihrem eigenen Abiball hatte sie ihren ersten großen Auftritt und kam dort zugleich mit ihren späteren Bandmitgliedern ins Gespräch. Die Spätberufene gelangte 2017 schon einmal in den engsten Auswahlkreis für den ESC-Vorentscheid, verzichtete aber von sich aus auf diesen ehrenvollen Platz. Dieses Jahr will sie es aber wissen, und zwar mit ihrem Song „The Day I Loved You Most“. Wohin diese Taktik sie bringt, werden wir erleben.

Stargäste des Abends: Lena, Michael Schulte und Udo Lindenberg

Jung und ambitioniert ist dieses Teilnehmerfeld. Die älteste Kandidatin weist ganze 34 Lebensjahre auf, der jüngste ist gerade mal 18. Über das Talent der Teilnehmer und die dahinterstehende Überzeugungskraft sagt das wenig aus. Doch in den einzelnen Musik-Biografien lässt sich durchaus ablesen, dass hier geballte Emotionen und starke Melodien lauern könnten, die das Publikum mit voller Kraft erreichen. Als Stargast bei „Unser Lied für Israel“ tritt ESC-Ikone Lena auf, die selbst gerade mal 19 Jahre alt war, als sie in Oslo triumphierte. Auch Michael Schulte wird zu diesem Anlass zugegen sein, ebenso wie Altrocker Udo Lindenberg.

Photo by Daniel Kruczynski (Author), CC BY-SA 4.0 (Licence)

Sehens- und hörenswert wird dieses bunte Potpourri allemal, zumindest für diejenigen, die Mainstream Musik mögen und gern nach frischen Talenten in diesem Sektor Ausschau halten.

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