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Interview mit der Band „Lichtscheu“

Lichtscheu ist eine Dark Romantic Metal Band und gründeten sich 2011 Am 10.01 2016 veröffentlichten sie ihr zweites Album Scherbenwelt. In einem Interview nahmen sie Stellung zu vielen interessanten Dingen rund um ihr Bandgeschehen.

Welche Bedeutung hat euer Bandname?

Gewählt haben wir diesen Namen in der Zeit vor der ersten Albumveröffentlichung 2011, als Songtitel wie „Mondscheinlied“, „Träum süß“ und „Was ihr längst schon wisst“ entstanden waren. Der Name steht für das Gefühl, sich erst nach Sonnenuntergang richtig lebendig zu fühlen, und sich während des Tages als durchleuchtet und verkannt zu sehen. Bei unserem Auftritt im K17 vor 4 Jahren (Welle:Schwarz) haben wir im Backstagebereich mit den Mitgliedern der Gruppe Hawklords noch sehr ausgiebig nach einer englischen Übersetzung gesucht: wir fanden keine treffende Übersetzung, sondern nur Umschreibungen, die mehrere Worte umfassten. Für uns ein interessanter Aspekt bzw. Nebeneffekt, weil wir bewusst die deutsche Sprache für unsere Musik gewählt haben.

Angela ist bei euch für das Songwriting zuständig. Aus welchen Situationen nimmst du die Inspiration für die Texte? Welchen Bezug hast du zu den Songinhalten? In den Texten werden viele Metaphern verwendet. Würdest du dieses schon als Stilmittel oder als ein Erkennungsmerkmal von Lichtscheu bezeichnen?

Angela: Ja, als Erkennungsmerkmal durchaus, weil es mir wichtig ist, dass die Thematik etwas verwaschen, nicht ganz so deutlich und auf den ersten Blick zu durchschauen ist und gern auch übertragbar sein darf auf Gefühlsebenen, die vielleicht gar nicht direkt gemeint waren, als ich den Song schrieb. Auf dem aktuellen Album Scherbenwelt sind viele Songs dabei, die von zwischenmenschlichen Geschichten handeln. Ich baue gerne so Zeilen ein, die sich auch auf andere Ebenen tragen lassen. Im Titelsong geht es zwar tatsächlich um eine zerbrochene Liebesbeziehung, es ließe sich aber auch auf zerbrochene Freundschaften übertragen, auf allgemeine schmerzhafte Empfindungen. Der Satz „Ideale sterben jeden Tag, nur Blut und Schmerz, egal wohin ich seh’“ wäre so ein Beispiel für schmerzhafte Empfindungen allgemeiner Art. Inspiration sind für mich Filme, Bücher, ein Spaziergang im Wald, eine Fahrt mit dem Bus, ach, einfach alles kann einen Schreibanfall auslösen.

Ist euer aktuelles Album Scherbenwelt eher ein Konzeptalbum? Wieviel Sicht auf einzelne Dinge steckt in den Songs? Was ist euch beim Album besonders wichtig?

Tatsächlich ist es KEIN Konzeptalbum, aber es hat schon Hörer gegeben, die Verbindungen erkannt haben zwischen den einzelnen Songs. Angela legt allgemein großen Wert auf lyrische Inhalte, aber bei der Scherbenwelt war unser vorrangiges Ziel, den Sound im Vergleich zu den Vorgängern „Träum süß“ und „Rabenherz“ zu optimieren (zumindest im Bereich unserer finanziellen Möglichkeiten). Auf alle Sichtweisen einzugehen, würde vielleicht den Rahmen sprengen, aber ein paar Beispiele möchten wir aufzeigen: Die Zerbrechlichkeit von Konstanten im Leben (Scherbenwelt); das Empfinden, anders zu sein als die Mehrheit (Nie geboren); als Ausweg nach Gewalt und Missbrauch die Freiheit im Suizid zu sehen (Unendlich (frei), all das sind Inhalte, die sich in den genannten Songs mehr oder weniger offensichtlich verbergen. Das Lied „Lichtscheu“ könnte man nach einem kurzen Blick darauf einfach als schlichte Bandhymne verkennen, es ist aber eigentlich anders gedacht: ein Lebensgefühl mit den Hörern teilen und nach Möglichkeit den Refrain gemeinsam zu singen, so dass mit „Wir sind nicht feige, wir sind nur lichtscheu“ Band und Hörer gemeint sind. Der Song handelt außerdem davon, sich in einer hellen, kalten Welt zu behaupten und Träume und Illusionen zumindest in die Nacht zu retten, wenn dafür auch am Tag bzw. im Alltag kein Platz ist.

Wie seid ihr bei der Produktion von Scherbenwelt vorgegangen? Wie lange hat es gedauert bis der Longplayer fertiggestellt war?

Die einzelnen Spuren wurden im Februar 2015 in Flensburg aufgenommen bei Lars Boltendahl im Homerecording-Prozess. Das ging recht zügig voran und hat insgesamt nur wenige Tage beansprucht. Was uns Zeit kostete, war die Suche nach einem finalen Mix. Da wir noch keine feste Adresse in Sachen Studioarbeit hatten, dauerte dieser Abschnitt leider sehr lange und mehrere Anläufe waren erforderlich, um ans Ziel zu kommen. Am Ende wurde dann noch alles gut, und zwar als wir die Spuren in die Hände von Nils Völker (Acces all Areas Studio, Bremen) gegeben haben. Im Nachhinein auszurechnen, wie viel Stunden an tatsächlicher Arbeit drinstecken, ist uns aufgrund der verworrenen Geschichte gar nicht so möglich.

Ihr managt euch selbst und habt auch das Live-Booking in der eigenen Hand. Eure Produktionen veröffentlicht ihr im Eigenvertrieb. Welche Gedanke und welche Gründe stecken hinter dieser Vorgehensweise?

Da es heute überwiegend so ist, dass die finanzielle Seite (CD-Produktion, Videoproduktion, Merch-Artikel) nicht von Außen übernommen oder zumindest mitfinanziert wird, sondern im Regelfall eh von den Bands selbst getragen wird, haben wir die bisherigen Angebote abgelehnt, obwohl wir durchaus wissen, dass wir dadurch in Sachen Marketing und Gigmöglichkeiten erhebliche Nachteile haben. Die Begründung, unabhängig sein zu wollen, reicht nicht ganz aus, denn wir müssen auch zugeben, dass wir gewisse Anforderung eventuell aus solchen Verträgen nur schwer erfüllen könnten: eine zusammenhängende Tournee zum Beispiel wäre für uns nicht so einfach zu realisieren, da wir alle hauptberuflich stark gebunden sind. Klar ist, wir wollen die Veröffentlichungsrechte und auch die Art, wo und wie unsere Songs dargestellt werden, nicht gern aus der Hand geben. Diese Entscheidung schränkt unsere Reichweite allerdings auch erheblich ein.

Ihr spielt sehr viele Konzerte. Wie wichtig sind euch Live-Auftritte? Ist euch ein Konzert besonders gut in Erinnerung geblieben?

Live-Auftritte sind uns sehr wichtig. Es ist die entscheidende Möglichkeit für uns, Menschen zu erreichen und zu verbinden. Und natürlich auch die beste Möglichkeit, CDs zu verkaufen. Sind Sound und Feeling beim Konzert gut, ist so ein Erlebnis durch nichts anderes ersetzbar. Wir spielen leider gar nicht so viele Konzerte, sondern in den letzten Jahren nur einzelne, auserwählte. Etwas mehr könnten es nach unserem Geschmack schon sein. Das auftrittsreichste Jahr, seid es Lichtscheu gibt, war 2013. Gute Erinnerungen haben wir an fast alle Gigs. Wenn du so wenige Konzerte absolvierst, fühlen sich fast alle auf irgendeine Weise besonders an. Als Vorband zu Staubkind im Roxy Flensburg zu spielen, war eine sehr schöne Erfahrung. Wichtig für unser Fortkommen wären regelmäßige Gigs bei größeren und kleineren Festivals, um auch mal über den Tellerrand zu schauen und nicht nur Kneipen und Clubs zu beschallen.

Welche Bewandtnis hat es mit eurem Maskottchen Hermann? Wie ist es dazu gekommen, dass er zu dem wurde? Ist Hermann überall anzutreffen, wo Lichtscheu auch ist?

Die Fans der ersten Stunde vergisst eine Band sicher nie. Zwei Fans aus dieser Anfangszeit wurden Freunde, die unsere Merch-Artikel vertreiben und eine Facebookfanseite eingerichtet haben. Die beiden haben einen total knuffigen Hund namens Herrmann. Treffen wir uns auf ein Glas Bier oder Met, ist Herrman auch dabei. Nur zu Konzerten können wir ihn na klar nicht mitnehmen, wäre zu hektisch und zu laut. Ab und an muss Herrmann sein Gesicht hinhalten für Weihnachtsgrüße und das Tragen unserer Lichtscheu-Schlafbrille. Da er unsere Sängerin gleich am ersten Tag des Kennenlernens ordentlich abgeschlabbert hat, war seine Funktion als Maskottchen beschlossene Sache.

Eure Songs sind nicht auf Spotify zu hören. Was hat euch dazu bewegt, eure Werke dort nicht zum Streaming bereitzustellen? Welche Meinung habt ihr ganz allgemein zu Streamingdiensten?

Es ist eine zwiespältige Meinung. Einzelne Songs von uns gibt es tatsächlich bei Spotify, nämlich die Titel aus unserer Rabenherz-EP. Es war ein Versuch. Wir haben aber nun beschlossen, das neue Album nicht dort anzubieten, weil wir für uns keinerlei Vorzüge daraus erkennen konnten. Was erhofft sich eine kleine Band von einem Dienst wie Spotify maximal? Gewinn sicher nicht, denn die Ausschüttungen sind verschwindend gering. Sie erhofft sich dadurch, von neuen, potentiellen Hörern gefunden zu werden. Die Erfahrung hat gezeigt, dass wir durch die Anwesenheit bei Spotify keinen nennenswerte Zuwachs an festen Hörern/Fans feststellen konnten.

 

Wie kann man eure musikalischen Werke erwerben?

Auf unserer Homepage http://www.lichtscheu-musik.de/wp/musik/

Bei Bandcamp http://lichtscheu.bandcamp.com/

und natürlich bei Konzerten.

 

Wollt ihr zum Schluß noch etwas sagen?

Wir bedanken uns bei euch, für das Interesse an unserer Musik. Was uns daran besonders gefreut hat: Ihr habt keine Standardfragen gestellt, sondern es war den Fragen deutlich anzumerken, dass ihr euch vorher mit uns beschäftigt habt. Das fällt uns sehr positiv auf.

 

Danke für das Interview.

Diskographie:

 

2011: Traüm süß

2013: Rabenherz (EP)

2016: Scherbenwelt (Album)

Vocals:Angela Clausen

Schlagzeug: Freddy Hansen

Gitarre: Timo Juhl

Keyboards: Daniel Reichelt

Interview wurde von Roman Golub zur Verfügung gestellt.

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