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Siebtes Muse-Album veröffentlicht – Drones ein rockendes Konzeptalbum

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Das neue Muse Album Drones ist seit dem 5.6. im Handel. Lest in der folgenden Album Bio wie das neue Meisterwerk entstand und was Matt und seine Bandkollegen selbst darüber denken…


 

Das einzige, was einen in eine noch höhere, fingernägelkauende Aufregung versetzt als das neue, siebte Muse-Album „Drones” zu hören, ist sich mit Frontmann Matthew  Bellamy darüber zu unterhalten. Wenn er beginnt, die Ideen und Inspirationen zu beschreiben, die Muse zu ihrem ersten wahrhaftigen Konzeptalbum führten, erzeugt der Hauptsongwriter und Konzeptualist hinter dem Trio aus Devon ein leichtes Gefühl von Panik für, welches gut zu der Rationalität des Albums „Drones” passt, welches sie gemeinsam mit Mutt Lange (AC/DC, The Cars, Def Leppard) produzierten und in Vancouver aufnahmen. „Drones” ist ein sehr präzises Stück Science-Fiction, eine Theorie, die in äußerst druckvollen Rock-Riffs erzählt wird und eine Vision, die – berücksichtigt man Muses modus operandi als die derzeit größte Live-Band des Planeten – in Zukunft zweifellos in einer intelligenten und multisensorischen Live-Erfahrung ausgedrückt wird.

Man sollte ein wenig Angst haben vor dem Moment, in welchem die Idee von „Drones” ihre visuelle Umsetzung erfährt, denn damit erwartet einen nichts weniger als eine Simulation des Armageddon, Gastauftritte der Star Wars-Klone aus „Episode II” sowie ein potenzielles Abheben von jedem, der in diesen Moment miterlebt. Ein Gedanke begleitet einen beim Hören der zwölf Tracks von „Drones”: Wenn irgendjemand eine neue Religion und ein treues Gefolge bilden möchte, indem er die iPod- und Spotify-Accounts der Menschen anzapft, um im Anschluss regelrechte Messen in den größten Rockstadien der Welt vor Tausenden von Menschen abzuhalten, dann haben Matt Bellamy, Chris Wolstenholme und Dominic Howard das Konzept eines „Rock-Gottes” auf ein neues, ziemlich wortgetreues neues Level gehoben.

„Hahahahahahaha”, lacht Matt, wenn man ihn darauf anspricht, dass er mit diesem Album möglicherweise zu einem Neuzeit-Propheten des Rock’n’Roll aufsteigen könnte. Maskiert mit einer Ray-Ban Sonnenbrille, sitzt er im dunstigen Santa Monica-Sonnenlicht und redet in einer Geschwindigkeit, dass man die Befürchtung hat, der Welt ginge die Zeit aus. Er erinnert sich an das Ende der Tour zum Vorgänger „The 2nd Law” auf dem Coachella Festival, ein paar Stunden Autofahrt von hier und nur ein Jahr zuvor. In dieser  Zeit nahm das ursprüngliche Konzept von „Drones” Gestalt an. Es ist so verrückt wie der Märzhase aus „Alice im Wunderland”, so gedankenverstörend, als wenn man zum ersten Mal John Bunyans „Pilgrim’s Process” liest, und so revolutionär herausfordernd wie der erste Blick auf die „Matrix”-Filme der Wachowski-Brüder. Doch je mehr man sich damit beschäftigt, desto mehr Sinn scheint es zu machen.

„Drones” beginnt mit der ersten Single „Dead Inside” und schließt mit dem finalen Song  „Drones”; dazwischen: eine Reise mit klarem Anfang, Mittelteil und Ende. Es berührt viele Themen, die bereits auf früheren Muse-Arbeiten angesprochen wurden: Die Idee, dass die Technologie die Menschheit übernimmt, der Zerfall und das Gift, das den Hierarchien moderner Gesellschaften innewohnt, sowie die Enttäuschung und gleichzeitige Erlösung, das die individuelle Wahrnehmung begleitet, wenn eine Liebesbeziehung sauer und bitter wird. Alles begann mit dem Entdecken von „Kill Decision”, einem Technothriller von Daniel Suarez, sowie Matts Bücherliste, darunter Jon Ronsons „The Psychopath Test” sowie „Predators: The CIA’s Drone War On Al Qaeda” des Journalisten Glyn Williams, über die Effizienz von Kampfdrohnen im Verlauf der vergangene Dekade. Es ist nur fair zu sagen, dass Matts Gedanken durch diese Bücher intensiv angeregt wurden. „Ich war sehr überrascht zu erfahren, dass Präsident Obama, seitdem er im Weißen Haus sitzt, nach dem Frühstück einfach runtergeht in die ‚War Rooms‘, um dort an einem Computerbildschirm Entscheidungen über Leben und Tod zu fällen”, sagt Matt. „Was für eine aufregend düstere Position, in die man da gebracht wird.”

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Die Erkenntnis, dass dieser mächtigste Politiker des Planeten sich darin übt, per Fernsteuerung von einem sehr distanzierten Ort aus Kontrolle über Leben und Tod Wildfremder auszuüben, hat ihn nachhaltig irritiert. Wie auch der Gedanke, dass wir uns auf eine Zeit zubewegen, in der Autoritäten in die Lage versetzt werden, das Leben irgendeines Menschen zu beenden, ohne dass auch nur eine Spur von Mitgefühl involviert wäre. „Du sagst einem Commander, dass er einer Fernsteuerung befiehlt, einem Roboter zu sagen, dass er jemanden töten soll. Das ist ein sehr einfacher Prozess.” Seine weitere Recherche brachte ihn darauf, dass man auch in Großbritannien dabei ist, künstliche Intelligenz zu etablieren, die bei derartigen Entscheidungen künftig gänzlich auf menschliches Zutun verzichtet. Drohnen werden programmiert, um über Zielgebieten zu fliegen und dort jeden zu töten, der über Gesichtserkennung oder GPS-Tracking identifiziert und als Gegner erkannt wird. Das ist angsteinflößend. „Ich spreche nicht darüber, ob diese Entwicklung richtig oder falsch ist, sondern darüber, ob solche Tötungsentscheidungen mit einer solchen Distanz gefällt werden sollten, wo jede Form von Empathie aus der Gleichung genommen wird. Das lässt mich an Psychopathen denken und daran, wie diese Welt strukturiert ist, wie die Politik und Wirtschaft immer stärker emotionslose Menschen favorisiert, die ihren Erfolg daraus ziehen, keine Rücksicht auf die Arbeitskraft des Einzelnen oder die Mitglieder der Gesellschaft zu nehmen. All das begann sich miteinander zu verbinden und es schien Sinn zu machen, dies in einem Album zu verdichten.”

Für Bellamy wurde „Drones” damit zu einer Metapher dafür, was es bedeutet, eine Tötungsmaschine zu bauen, die über kein emotionales Reservoir verfügt – das ultimative psychopathische Objekt. Dies funktioniert natürlich auf zahlreichen Ebenen. „Man kann dabei nicht verhindern, dass man auch über ganz persönliche Gefühle zu der Thematik schreibt, daher entwickelte ich die Idee eines Protagonisten, der sich auf eine Reise macht, zunächst den Glauben an sich selber zu verlieren, aufzugeben und daher kalt und verletzlich zu werden. Genau der Zustand wird benötigt, damit man aus diesem Individuum jemanden machen kann, der leicht zu kontrollieren ist.”

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Am Anfang steht „Dead Inside”, in dem Matts Protagonist – ein Orwell’scher Typ von Anti-Held – seine Fähigkeit zum Fühlen verliert. „On the outside I’m the greatest guy/But now I’m dead inside”, so heißt die finale Zeile des Songs. Das pompöse „Drill Sergeant”, das inspiriert wurde durch Stanley Kubricks „Full Metal Jacket”, betrachtet den Protagonisten als eine neue Drohne, die durch böse autoritäre Kräfte konditioniert wurde. Die Single „Psycho” liefert die Stimme des Drill-Sergeants: „I’m gonna make you a fucking psycho/Your ass belongs to me now.” Dominic versichert, dass es durchaus eine Menge Spaß im Studio gab, als sie an diesem speziellen Stück arbeiteten. Entwickelt aus einem sehr alten Muse-Riff nahm er Gestalt an, als die drei darüber fantasierten, wie es wäre, wenn Tausende von Konzertgängern ihnen diese Zeile entgegen schreien würden. „Wir haben eine Menge gelacht, wir nehmen uns selbst nie todernst. Dieser Refrain ist lustig. Und warum auch nicht? Warum zum Teufel soll das nicht lustig sein?”

Ein „Black Holes”-artiges „Mercy” folgt darauf, über „Männer in Anzügen, die versuchen, meine Seele zu misshandeln”, und „Reapers” führt fort mit einer Erzählung über schwarze Mächte, die Menschen so manipulieren wollen, dass sie ihr eigenes Ende herbei führen. Textzeilen wie „You’ve killed by remote control, and the world is on your side/You’ve got reapers and hawks babe, and now I am radicalised” zählen zu den provokativsten Zeilen, die Muse bislang geschrieben haben. Sie brutalisieren den Hörer regelrecht, animieren ihn zum direkten Handeln. Matts Lieblingsstück „The Handler” ist der vitale Kontrapunkt des Albums, in dem Moment, wo der Anti-Held alles verloren hat und sprichwörtlich verloren ist. „In diesen dunkelsten Momenten, wenn man ein Trauma erlebt, kann man seine Stärke finden”, glaubt Matt.

Das ist der Moment, wo „Drones” sich in die Gegenrichtung entwickelt, wo der Glaube zurückkehrt und das Kämpfen, das Wehren beginnt. „Hier brachte ich ‚JFK‘ ins Spiel, wie er 1961 eine Rede an die Presse hält, wie sie mit dem Aufstieg des Kommunismus rund um den Globus umzugehen hat”, sagt Matt, noch immer im Tempo höchster Dringlichkeit sprechend. „Er spricht über diese Kräfte, die versuchen, uns zu kontrollieren. Sie sind dort draußen im modernen Zeitalter in Form von Regierungen und Konzernen, die die Schwachen zu manipulieren versuchen, um sie letztlich zu menschlichen Drohnen zu machen.” Erlösung folgt, als der Protagonist sich in den „Defector” verwandelt. Es ist ein brillanter Fuck-You-Song, der darum kämpft, Autonomie wiederzuerlangen und sich wieder frei zu fühlen. Der folgende Song „Revolt” übersteigt seinen Vorgänger noch weiter, mit Queen-artigen Refrains und Stadionmäßigen Luftfäusten, die zu den Massen predigen: „You can revolt! You can revolt! You can revolt!”

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Das bluesige „Aftermath” erweist sich schließlich als Wiederentdeckung der Liebe sowie der Botschaft, dass Menschen sich heute noch viel mehr als je zuvor gegenseitig brauchen. „The Globalist”, was im Übrigen der Lieblingsong von Chris ist, bildet demgegenüber laut Matt eine völlig eigenständige Einheit. Darin geht es um Aufstieg und Fall eines Diktators, wie Menschlichkeit komplett industrialisiert wird und als Endergebnis in sich zusammenfällt. Ein geisterhafter, hymnischer Chor rundet das Morricone-Soundtrack-artige „Drones” ab, in welchem das Chaos von „Knights of Cydonia” erneut gebündelt wird. Matt schrieb den Song als Reaktion auf die gelesenen Artikel über die Tragödien im Mittleren Osten. „Kannst du dir vorstellen wie es sich anfühlen muss, als Familie an der Grenze zu Afghanistan zu stehen und zu wissen, dass einige Mitglieder deiner Familie zuvor von Drohnen getötet wurden? Ich wollte, dass das Album mit einer solch angsteinflößenden Note endet”, sagt er. „Diese Geister werden eines Tages kommen und uns holen…”

Das also ist das übergeordnete und höchst ambitionierte Konzept hinter „Drones”. Im Kern des Ganzen steckt dabei jedoch etwas Wahrhaftiges: Die Inspiration, sein Leben in die eigene Hand zu nahmen und wieder Kontrolle zu erlangen über all die täglichen Situationen und Beziehungen, in die man sich verwickelt fühlt. „Ich liebe Menschen dafür, wenn sie es schaffen, alles zu bewältigen, von dem sie sich missbraucht fühlen. Das gibt anderen Menschen die Stärke, auch an sich selbst zu glauben”, sagt Matt, der sich selber außerhalb seiner Kontrolle fühlte, seit er das Teenager-Alter erreicht hatte. Sein Leben wurde noch chaotischer, als er zum Frontmann der größten Rockband seiner Generation wurde, und damit in der Pflicht war, sein Handwerk unter die Beobachtung eines globalen Publikums zu stellen.

„Ich war gefangen in einer Notwendigkeit, Dinge aus meiner Kindheit und aus früheren Beziehungen auszudrücken, die mich stets gestört haben. Jetzt versuche ich, Menschen dazu zu inspirieren, sich selbst zu folgen, nicht uns. Wir haben keine Ideologie. Folge dir selbst!” Captain Matt ist zutiefst davon überzeugt, dass wenn ein Mensch dazu provoziert wird, etwas Grundlegendes in seinem Leben zu ändern, dieses gut für ihn sein wird. Das einzige, was in Matts Leben eine gewisse Konstanz besaß, war die Kraft der Musik als Kommunikator, ob er nun selber vor Tausenden von Leuten spielt oder anonym in einer Menschenmenge steht, während jemand anderes spielt.

Es ist eine überraschende Motivation für einen Frontmann und eine Band, die sechs Alben veröffentlichte, über 15 Millionen Platen weltweit verkaufte, unglaublich massive Tourneen erlebte, während derer sie unter anderem das legendäre Wembley Stadium in London füllten,  oder den Headliner-Slot beim Glastonbury Festival, die Tonnen von Preisen gewannen – darunter fünf MTV Music Awards, sechs Q Awards, acht NME Awards, zwei BRITs und fünf Grammy-Nominierungen.Wieder ins Studio zu gehen, um ein ähnliches Set aus gigantischen Rock-Hymnen zu schreiben war Matt, Dom und Chris jedoch einfach nicht genug. Auch schien Matt das Album-Konzept nicht nur unter persönlichen Gesichtspunkten als bedeutsam, er empfand ebenso einen notwendigen ‚Reality Check‘ als wichtig, gemessen daran inwieweit Muse als Band in der Lage sind, öffentlich einen Standpunkt zu vertreten, anstatt einfach nur das nächste Album zu veröffentlichen.

Matt empfindet eine gewisse Nostalgie für die Zeit in den 70ern, als Alben noch aus 50 Minuten Musik bestanden, die einen Zweck, eine Aufgabe und einen Vorsatz erfüllten, anstatt nur eine Kollektion neuer Songs zu sein, die man ebenso gut via iTunes oder im Spotify Steam anhören kann. Chris erninnert sich ebenso gern an eine Zeit, als der Hörer noch mehrere Wochen und Monate Aufmerksamkeitsspanne auf ein Album richtete und sich die nächste Platte vom Munde absparte. „Wir wollten das Ende der Albumidee gerade damit aufzeigen, indem wir ein Album machen, das genau diese verlorengehenden Qualitäten beherzigt und feiert”, sagt Matt, nachdem er mit seiner Band nun ein Hörerlebnis erzeugt hat, das die Notwendigkeit beinhaltet, sich auf den Hintern zu setzen und für die Dauer der Platte wirklich aufmerksam zuzuhören, wie sich die Storyline entwickelt und sich ein Puzzle zusammensetzt. Wie Chris es erklärt: „Wir wollten einen Moment im Zeitkontinuum festhalten.”

Der Aufnahmeprozess erwies sich dabei als absoluter Schlüssel zu diesem Sinn für Synchronizität. Hier kommt auch die finale und höchst introspektive Motivation zu „Drones” hinzu: Eine Band, die zurück zu ihren Wurzeln findet. Das vorige Album „The 2nd Law” war eine Studio-, keine Band-Platte. Sie erlaubte es den Akteuren, weiter zu gehen als je zuvor, im Sinne von Orchestern, Elektronika und allerlei Effekten. Es erlaubte ihnen zudem, ziemlich nerdig zu werden in Bezug auf ihre Eigenproduktionen, diese Nerdigkeit weiter auszuformulieren, anstatt sich nur auf ihre Fähigkeiten als Musiker zu konzentrieren. „Mit jedem Album wuchs alles immer nur weiter, wir selber als Musiker wurden fast zweitrangig”, sagt Chris. „Auf ‚The 2nd Law‘ haben wir uns diesbezüglich so weit bewegt wie es wohl überhaupt nur möglich ist. So sehr ich also finde, dass es ein gutes Album geworden ist, so sehr wurde die Persönlichkeit des Triogedankens fallen gelassen.” Dieses Mal ging es daher umso mehr um die Ambition, zum Organischen zurückzukehren: Drei Typen zusammen in einem Raum, spielend und die Kontrolle zurückerobernd, von all den Maschinen, die sie umgeben. Wenn man das so beschreiben möchte…

Im vergangenen Sommer entwickelten Dom und Matt in und um Los Angeles – der Ort, an dem beide derzeit leben – die ersten Ideen zu dieser Platte, Chris erhielt regelmäßige Updates via Email. Gegen Ende des Sommers verbrachten sie dann gemeinsame Zeit in Matts Keller in Central London – nur Gitarre, Bass und Schlagzeug, rau, aber ehrlich, ganz wie damals, zu Beginn. „Es ist ein ziemlich luxuriöser Keller – es war nicht wie das Haus in Devon im Jahr 1993”, witzelt Dom. „Diesmal ging es uns vor allem darum, irgendwie entspannt zu sein, gemeinsam an der Musik zu arbeiten, so wie damals in den frühen Tagen – um möglicherweise ein paar schlechte Demos zu erzeugen, von denen wir schon im Moment der Aufnahme wissen, dass wir es eigentlich besser können.”

All das hatte später Einfluss auf das Album, wie man an Tracks wie „The Handler” sehen kann, der an die frühen „Showbiz”-Songs erinnert, oder an solch mittlerweile vergessene Hymnen wie „Dead Star” oder „In Your World”, die in einem anderen Zustand bandinterner Panik entstanden als Folge auf die Ereignisse rund um den 11. September. Wo Muse also als Trio erneut auferstanden und ihre ganz besondere Stimme neu belebten mit starkem Selbstvertrauen, erwies sich der legendäre Produzent Mutt Lange als der richtige Mann, sie durch seine ganz eigenen Methoden geradezu neurotischer Disziplin auf diese Straße.  Er entwickelte sich zu einem solch obsessiven Derwisch im Produktionsstuhl, dass die anderen drei diesen Bereich problemlos beiseitelegen konnten: Sie konnten die Kontrolle großzügig abgeben an jemanden, der hier über enorme Erfahrung verfügt. Es war eine harte Arbeit, aber Lange half dabei, dem gesamten Konzept durch intensive Kontinuität mehr Schärfe zu verleihen. „Er ist ein bisschen so ein verrücktes Genie”, lacht Dom. „Er hat uns wirklich gepusht, ließ uns bis zu 40 Takes eines Songs spielen, um herauszufinden, wer wir sind und wozu wir fähig sind.” Neben diesen ellenlangen Tagen und dem Perfektionsgedanken Langes hatte die Band dennoch viel Spaß im Studio. „Wir haben keine Probleme damit, uns gegenseitig im Studio tüchtig auf die Schippe zu nehmen”, sagt Dom. „Aber es war extrem aufregend zu erleben, wie die Tracks langsam Form annahmen. Wir brauchten Mutt, um dabei am Ball zu blaiben, ansonsten hätten wir wohl irgendwann aufgegeben.”

Man kann also nicht sagen, dass Muse mit ihren Songs über Roboter, die die Herrschaft übernehmen, und Drill Sergeants, die uns alle dehumanisieren wollen, nun endgültig in einem eigenen Kosmos angekommen sind? „Ach, wir können immer noch am Tiefpunkt landen, jederzeit. Und sei es auch nur für einen guten Witz. Oder einfach so”, sagt Dom. Auf „Drones” bemühen sich Muse darum, die Wertigkeit eines „Albums” als eine vitale Form von Kunstfertigkeit wiederzubeleben, ebenso wie ihre Identität als extrem rockende Drei-Mann-Band. Und sie wollen auch dieses Gefühl von Gemeinsamkeit und Gruppengefühl wieder erzeugen, indem sie ihre Zuhörer dazu inspirieren, für ihre eigenen Leidenschaften zu kämpfen sowie für die all die Dinge, an die sie glauben und die dabei helfen, das Vorrücken einer zunehmend toxischen Welt zurückzudrängen. Das Verrückteste dabei ist, dass man es hier mit einer Band zu tun hat, in der so viel Drive und Ambition steckt, als ob sie noch lange nicht am Ziel ihrer Träume wäre. „Es gibt immer Dinge, von denen du als Band den Eindruck hast, sie besser machen zu können”, sagt Chris. „Wir haben jetzt sieben Alben gemacht – aber es gibt immer noch so viel zu tun. Es gibt so viele Ecken der Erde, die wir bislang noch nie berührt haben als Band – etwa Nordafrika oder manche Teile Asiens. Es hört also nie auf.”

Quelle: Warner Music Germany – Fotocredits: Danny Clinch / WMG

 

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