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The Good, The Bad & The Queen veröffentlichen nach 11 Jahren Pause das zweite Album

Mitte der 90er Jahre kannte die britische Musikwelt nur ein Thema. Welche der beiden Mega-Bands Blur oder Oasis würde den Britpop Battle gewinnen? Monatelang stilisierten sämtliche Musikgazetten der Insel die gleichzeitige Veröffentlichung der neuen Singles „Country House“ von Blur und „Roll with it“ von Oasis zum Kampf um das musikalische Britannien hoch. Am Ende hatten die Gallagher Brüder mit ihrer Band Oasis die Nase knapp vorne. Heute, mehr als 20 Jahre später, kann man zu Recht behaupten, dass Damon Albarn zwar damals die Schlacht verloren, doch langfristig den Kampf um eine einzigartige Karriere gewonnen hat.

Ein Meister in vielen Fächern

Welcher Star kann schließlich von sich behaupten, gleich vier verschiedene Karrieren gleichzeitig erfolgreich am Köcheln zu halten. Neben seiner Hauptband Blur hob Mastermind Albarn 1998 die fiktive Comicband Gorillaz aus der Taufe. Das gleichnamige Debütalbum wurde zum Millionenseller. Das staunende Publikum konnte die konsequent als Comic-Helden auftretende Musiker sogar auf Tour erleben. Damit hatte der musikalische Nimmersatt doch noch lange nicht genug. Eine dritte Band musste her und diesmal sollte es eine Supergroup sein. The Good, The Bad & The Queen rekrutieren sich aus Musikern von Blur, The Clash, The Verve und der Afrobeat-Legende Tony Allen. Als Produzent des Debuts fungierte ein weiteres Schwergewicht, nämlich Starproduzent Danger Mouse. Die Platte galt von Beginn an als Meisterwerk und war in vielen Top 10 Listen der besten Alben des Jahres 2007 ganz vorne mit dabei. Ursprünglich wollte Damon Albarn bereits wenige Monate später eine weitere Veröffentlichung nachlegen, doch es sollte elf Jahre dauern, bis sich „The Good, The Bad & The Queen“ bei ihren Fans zurückmelden sollten. Stattdessen brachte deren Frontman lieber eine vierte Karriere in Schwung. Sein Solodebüt überzeugte ebenfalls auf ganzer Linie und ließ die Supergroup erstmal in Vergessenheit geraten.

Der Brexit ergibt plötzlich einen Sinn

Die Frage der Veröffentlichung eines zweiten Albums der Band glich seit vielen Jahren mehr dem Spielen an einem Spielautomaten. Man drückt auf eine Taste oder betätigt den Hebel bei einem einarmigen Banditen und ein Mikroprozessor wandelt die Zahlen eines Zufallsgenerators in Symbole um. Erscheinen die richtigen Symbole, hat man gewonnen. Nach jahrelangen Gerüchten rund um ein zweites Album, war es nun im Jahr 2018 endlich soweit und die Freude bei den Fans ist groß. So wie beim Spielautomaten sorgte der Joker in Form des Albumthemas Brexit plötzlich dafür, dass alle Teile wie Thema und Zeitpunkt zueinander passten. Die Zeit war reif und die Fans freuten sich über den Hauptgewinn im Spiel: Wann kommt das zweite Album? Damon Albarn verkündete kurzfristig die Veröffentlichung von „Merrie Land“. Kurze Zeit nach dem zweiten Gorillaz Albums innerhalb von 18 Monaten war ihm die Aufmerksamkeit sicher. Die Thematik von Brexit, kurz vor dessen Umsetzung und seine jahrzehntelange Erfahrung im Umgang mit den Medien, waren die perfekt Grundvoraussetzung für den Erfolg der Platte. Wie hat ein deutscher Kritiker so schön geschrieben? Wenn Brexit einen Sinn hat, dann durch die Existenz dieser Platte von The Good, The Bad & The Queen.

Photo by Bill Ebbesen, CC BY 3.0

Ein melancholischer Abgesang auf einstige Größe

Nun liegt das neue Werk endlich in den Plattenregalen und wieder überrascht Damon Albarn mit einem musikalischen Schlenker in einer Richtung, die man so nicht vermutet hätte. „Merrie Land“ modifiziert den Sound des Debüt deutlich und ist doch unverkennbar eine Platte aus der musikalischen Werkstatt von „The Good, The Bad & The Queen“. Thema ist Brexit, der dem bekennenden stolzen Engländer Damon Albarn schwer zusetzt. Doch anders als erwartet, empfängt den Hörer ein melancholisches, trauriges Album, das sentimental von Europa Abschied nimmt. Gerade etwas länger als 30 Minuten besingt die Band die einstige Größe einer stolzen Nation und fragt sich selbst „Look what we´ve had done“.

Keiner der vier Könner streicht seine Meisterschaft groß hervor, alle ordnen sich dem Gesamtsound unter und erschaffen so eine der besten Platten des vergangenen Jahres. „Merrie Land“, Titelsong und erste Single steht perfekt für eine Sammlung von Songs, die Starproduzent Tony Visconti maßgeschneidert hat. Leise, unaufdringlich und doch ungeheuer beeindruckend. Elf Jahre Wartezeit haben sich gelohnt. Den Britpop Battle hat Damon Albarn zwar verloren, doch ein Platz im Olymp der englische Musikszene ist ihm sicher.

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